Vom ehemaligen Baselbieter Denkmalpfleger H. R. Heyer stammt der nachfolgende, 1981 in Heft Nr. 9 der Jurablätter erschienene Überblick zu den verschiedenen Restaurierungen des Doms. Sie zeigt, wie jede Epoche eigene Vorstellungen von "ihrem" Dom hat. Dankbar sind wir Professor Linus Birchler für seinen inzwischen legendären Hoffnungsseufzer: «Wenn nur kein Gold an die Stukkaturen kommt.» Hoffen wir, dass dies auch in einer Zeit der esoterischen Heimsuchung so bleibt.
 

Restaurierungen

Erst im Jahre 1876 beschloss man eine vollständige Restaurierung der Domkirche. Dabei wurde das Innere gereinigt, der Hochaltar und die Kanzel neu vergoldet, und ein zweiter Schalldeckel über der Kanzel entfernt. Ein Jahr später restaurierte man auch die Türme, die Dächer und die Fassaden. Doch die Renovation von 1876/77 umfasste nicht alles, sondern beschränkte sich auf das Notwendigste. zum Abschluss dieser Arbeiten erhielt der Dom drei neue Glocken von Jakob Keller aus Zürich. Im Jahre 1888 erfolgte eine tiefgreifende Umgestaltung des Orgelwerks der Silbermann-Orgel durch J. Carl Weigle aus Basel. Weigle reduzierte die Zahl der Register und fügte einige romantische Register sowie ein Echowerk hinzu.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden vorerst an der Fassade kleine Ausbesserungen vorgenommen, doch genügten diese offensichtlich nicht, so dass man 1912 die Fassaden vollständig erneuerte. Dabei kehrte man die Farbwerte um, indem man die vorher dunklen Lisenenrahmen hell und die vorher hellen Fassadenfelder dunkel malte.

Im Jahre 1926 ersetzte man das gesamte Geläut durch fünf neue Glocken von der Firma Rüetschi in Aarau. Dabei wurde auch die grosse Glocke von 1682 eingeschmolzen. Erhalten blieb nur eine kleine Glocke aus dem 15. Jahrhundert aus der Odilienkirche, der ehemaligen Pfarrkirche von Arlesheim. Im Jahre 1930 begann eine umfangreiche Innenrenovation unter der Leitung von Architekt Dr. A. Gaudy von Rorschach. Dem Geschmack jener Zeit entsprechend wurden die reichen Vergoldungen mit Ausnahme der Freskenrahmen weiss übermalt. Professor Linus Birchler schrieb damals: «Wenn nur kein Gold an die Stukkaturen kommt.»

Ausserdem kamen beim Abwaschen der Wände und Decken die alten Farben Rosa, Blau und Gelb zum Vorschein. Dadurch erhielt der Dom im Innern das heutige Aussehen, das betont zurückhaltend ist und im Vergleich zu anderen Barockkirchen auffallend wenige Vergoldungen aufweist. Die schwierigste Arbeit war die Konservierung der Deckenbilder, die glücklicherweise nur leicht retouchiert und übermalt wurden. Schliesslich entfernte man auch das Hochaltarbild von Deschwanden und liess das darunterliegende Altarbildfresko von Appiani wieder zur Geltung kommen. Anstelle der Kreuzwegstationen an den Wänden des Langhauses malte der Kunstmaler August Wanner neue Stationen an die Eingangswände der Seitenkapellen.

Erst in den Jahren 1954/55 kam es zu einer Gesamtrenovation des Äusseren. Das gewagteste Unternehmen war die Rekonstruktion der Fassadengliederung und ihrer Bemalung. Dass man hier auf Schwierigkeiten stiess, beweist die Tatsache, dass nicht weniger als zehn Varianten ausgearbeit wurden. Ausgangspunkt und Vorbild waren das Modell des Domes auf dem Hochaltarbild von Appiani und die noch erhalten Rahmung an den Rundungen der Sakristeien.

Während die Rekonstruktion der Seitenfassaden problemlos war, gestaltete sich jene der Hauptfassade deshalb mühevoll, weil diese 1912 bereits verändert worden war und Konflikte zwischen den Rahmungen und der Architekturgliederung entstanden, die 1878 noch nicht in diesem Masse vorhanden waren. Schliesslich entschloss man sich zu einer Beibehaltung der 1912 umgekehrten Farbwerte und versuchte, die dabei entstandenen Unregelmässigkeiten auszugleichen. Mit der Verlängerung des Sockelgesimses über die Turmgeschosse hinweg, der Verbreiterung der Bänder in den Turmgeschossen und der Entfernung der Ziegelbedeckung des Hauptgesimses schwächte man die Vertikaltendenz der Fassadengliederung von 1761 und verstärkte die Horizontalen und somit Elemente der Fassadengliederung von 1681. Die dem Rokoko typische Eigenheit der Spannung und Leichtigkeit ging dabei verloren.

Wenige Zeit nach der Aussenrenovation erfolgte 1965 der Umbau der ehemaligen Domgruft in eine Kapelle, für die der Bildhauer Albert Schilling einen Taufstein und einen Altar schuf. Ebenfalls im Anschluss an die Aussenrenovation wurde in den Jahren 1959-1962 die Silbermann-Orgel durch die Firma Metzler & Söhne aus Dietikon unter Beizug zahlreicher Orgelexperten fachgemäss restauriert. Bei der Rekonstruktion des Orgelwerks verwendete man alte Register aus einer Silbermann-Orgel im Elsass und aus der Theodorskirche in Basel. Schliesslich entdeckte man in einer Windlade einen Zettel von Silbermann mit dem Vermerk, dass die Orgel im November 1759 verakkordiert und im August 1761 vollendet worden sei, und dass Johann Georg Kuntze, aus Dresden gebürtig, die Windladen gemacht habe.

Wenige Jahre nach Abschluss der Aussenrenovation von 1954/55 zeigten sich an den Fassaden Schäden am Verputz und am Farbanstrich. Eine genaue Untersuchung ergab, dass daran einerseits die aufsteigende Feuchtigkeit und andererseits die Verwendung von Dispersionsfarben schuld waren. 1973 begann man deshalb mit der Sanierung der Fundamente und einer Drainage mit Lüftungskanal um die Krypta und den Chor, worauf sich der Zustand des Mauerwerks in diesem Bereich merklich besserte.

Erst im Jahre 1978 begann man, im Hinblick auf die 300-Jahr-Feier von 1981, mit der dringend notwendig gewordenen Erneuerung des Äusseren. Hinsichtlich der Gestaltung der Fassaden hielt man sich im Wesentlichen an die Aussenrenovation von 1954/55. Völlig neu hingegen wurde die Treppe vor dem Hauptportal gestaltet. Anschliessend begann man ebenfalls im Hinblick auf die genannte Feier mit der Innenrenovation und der Weiterführung der Drainage und Fundamentsanierung. Im Innern beschränkte man sich auf die Konservierung des Stucks und der Deckenmalereien sowie deren Reinigung, und hielt sich bei der Farbgebung an die Innenrenovation von 1930. Beim Abwaschen der Stukkaturen kamen die alten Vergoldungen wieder zum Vorschein. Da die Bauakten der Renovationen aus dem 19. Jahrhundert nur von der Erneuerung von Vergoldungen, nicht aber von neuen Vergoldungen sprechen, lag die Vermutung nahe, sie könnten aus dem 18. Jahrhundert stammen. Die Untersuchungen der Experten wiesen jedoch eher ins 19. Jahrhundert. Aus Geld- und Zeitmangel einigte man sich auf den Status quo im Bewusstsein, dass die für den Innenraum entscheidende Frage der Vergoldungen der Stukkaturen nicht vollständig abgeklärt werden konnte. Die Gesamtsanierung der Domkirche von 1979-1980 war somit wesentlich durch die Innenrenovation von 1930 und die Aussenrenovation von 1954/55 vorbestimmt. Es wird deshalb einer späteren Generation, die mehr Zeit und Geld hat, zur Aufgabe gestellt werden, die beiden Fragen hinsichtlich der Vergoldungen des Stucks im Innern und der Fassadengliederung nochmals zu prüfen.

Literatur:
H. R. Heyer, Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-
Landschaft, Bd. I., Der Bezirk Arlesheim, Basel 1969.
H. R. Heyer, Der Dom zu Arlesheim, Schwabe-Verlag
Basel 1981.